Udo Ulfkotte fantasiert: „Lügenmedien“ verheimlichen mögliche Absturzursache von Germanwings 4U9525

TLDR: Udo Ulfkotte behauptet, dass deutsche Medien zum Absturz von Germanwings 4U9525 nicht umfassend berichten und „giftige Dämpfe im Cockpit“ als mögliche Absturzursache verschweigen. Diese Behauptung ist falsch.

Mein Kommentar zum Artikel „Germanwings: Was uns verschwiegen wird“ von Udo Ulfkotte vom 26.03.2015, der sich auf das Flugzeugunglück von Germanwings 4U9525 bezieht:

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/udo-ulfkotte/germanwings-was-uns-verschwiegen-wird.html

Sehr geehrter Herr Ulfkotte,

ich helfe Ihnen hier gerne weiter:

# Warum erfahren zuerst US-Medien, und nicht die deutschen Medien, vom Stand der Ermittlungen?

Den offiziellen Ermittlungsstand haben alle Medien gleichzeitig erfahren, nämlich am 26.03.2015 zur Mittagszeit in der Pressekonferenz der französischen Ermittlungsbehörden.

Einige Stunden vorher veröffentlichte die NYT bereits eine Version der Geschichte, die sich später als richtig herausgestellt hatte. Als Quelle nannte die NYT einen französischen Militärangehörigen. Ob und warum diese Person nur mit der NYT gesprochen hat, weiß ich nicht. Vielleicht hat diese Person einen besonderen Draht zur NYT, vertraut der NYT einfach mehr als den deutschen Medien, oder hat von der NYT einfach das höchste Geldangebot bekommen.

Sonst sind es ja immer Medien wie die BILD oder die Bunte, die einen „speziellen Draht“ zu Staatsanwälten haben und über pikante Details verfügen. In diesem Fall war es halt die NYT.

# Warum schweigen deutsche Medien zum Thema „Giftige Dämpfe im Cockpit“?:

Deutsche Medien berichten regelmäßig und bereits seit Jahren über dieses Thema. Bei jedem deutschen Online-Medium sind entsprechende Artikel zu finden, so zum Beispiel auf Spiegel Online:

* [1] 14.01.2015: Seltsamer Geruch an Bord: Condor bricht Flug nach Havanna ab

http://www.spiegel.de/reise/aktuell/condor-flug-von-frankfurt-nach-havanna-abgebrochen-a-1013027.html

* [2] 13.11.2014: Gestank im Cockpit: Lufthansa-Airbus muss nach Stuttgart ausweichen

http://www.spiegel.de/panorama/lh2505-lufthansa-airbus-legt-sicherheitslandung-in-stuttgart-ein-a-1002671.html

* [3] 05.12.2013: Geruch im Cockpit: Germanwings-Zwischenfall bleibt ungeklärt

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/geruch-im-cockpit-germanwings-zwischenfall-bleibt-ungeklaert-a-937447.html

Kurz nach Bekanntwerden des Unglücks gab es sowohl im deutschen Fernsehen, als auch in den Livetickern der deutschen Online-Medien Hinweise auf technische Probleme der Germanwings-Maschinen. Es wurde die Reparatur der Unglücksmaschine am Montag erwähnt und auch Zwischenfälle mit giftiger Kabinenluft.

Auch nach dem Unglück wurde von allen (!) Medien ein Zwischenfall gemeldet, bei dem ein Flug, der in Barcelona gestartet war, wegen verdächtiger Gerüche an Bord umdrehen musste. Eine Google-Suche nach „A320 musste wegen Brandgeruch umkehren“ liefert Ihnen die entsprechenden Artikel.

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Es ist also nicht richtig, dass das Thema „Giftige Dämpfe im Cockpit“ von deutschen Medien verschwiegen wird!

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Ob in der Pressekonferenz mit den französischen Ermittlern dieses Thema angesprochen wurde, weiß ich nicht. Vermutlich nicht. Denn die Ermittler hatten ein gesundheitliches Problem der Piloten bereits ausgeschlossen:

Die Person, die sich in den letzten Minuten des Fluges im Cockpit befand, hat die ganze Zeit über ruhig und gleichmäßig geatmet. Hätten giftige Dämpfe auf diese Person eingewirkt, hätte sich das Atemgeräusch in irgendeiner Art und Weise verändert. Das hat es laut den Ermittlern aber nicht.

Die Ermittlungen werden aber sicher noch lange weiterlaufen. Abschließende Ermittlungsberichte sind bei solchen Unglücken oft erst nach Jahren fertiggestellt. Ich bin mir sicher, dass auch das Thema „giftige Dämpfe im Cockpit“ von den Ermittlern berücksichtigt wird, und von Journalisten in Artikeln und Pressekonferenzen angesprochen wird. Auch von deutschen Journalisten der etablierten Medien.

Verfügen Sie, Herr Ulfkotte, über konkrete Kenntnisse, die den offiziellen Aussagen widersprechen, und beweisen, dass „giftige Dämpfe im Cockpit“ zum Absturz von Flug 4U9525 geführt haben? In den von Ihnen verlinkten Artikeln sind keine entsprechenden Hinweise zu finden.

– Annette Baumkreuz