Lesenswert! #2: Zawia, Frank, Chapman, Lüscher, Widler, Geuter

Weitere lesenswerte Beiträge in meiner persönlichen Linkliste. Die meisten werden Sie schon kennen.

In vielen verlinkten Artikeln wirkt das Thema Germanwings 4U9525 noch nach, aber so langsam entfernen wir uns davon.

Donnerstag, 2. April 2015

Alexandra Zawia, freie Journalistin (Wiener Zeitung, FurcherayÍpsilon) macht sich Gedanken über das Sterben in Zeiten des Echtzeitjournalismus:

Das Sterben ist längst ein Echtzeit-Event im sozialen Netzwerk, eine rekonstruierte Show der sensationsorientierten Berichterstatung, ein Spektakel zum „Nach-Fühlen“, in dem es keine Hierarchisierung, keine Einordnung, keine Erklärung mehr gibt.

Sie gibt auch konkrete Tipps, wie man selbst „Vorkehrungen“ treffen kann.


Joachim Frank, Chefkorrespondent der Zeitungsgruppe DuMont und Autor der Frankfurter Rundschau, konkretisiert in einem Interview mit Eva Baumann-Lerch seine Ideen für einen überarbeiteten Pressekodex, die er als Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten vor einigen Tagen angedeutet hatte (siehe Lesenswert! #1):

Ich stelle mir eine Art Checkliste vor, die in jeder Redaktion für den Katastrophenfall in der Schublade liegt. Darin werden kritische Fragen zur Berichterstattung im Katastrophenfall festgeschrieben: (…)

So eine Checkliste könnte von den Journalistenverbänden gemeinsam mit dem Deutschen Presserat erarbeitet und Vorlage einer freiwilligen Selbstverpflichtung für die Journalisten von Qualitätsmedien werden.

Die Idee, den Redaktionen einfach eine Checkliste in die Schubladen zu legen, überzeugt mich nicht. Auch nicht in Kombination mit der Selbstverpflichtung. Als ob der aktuelle Pressekodex die Grundsätze für einen ethisch korrekten Journalismus nicht bereits klar und deutlich definieren würde.


Freitag, 3. April 2015

Nachdem der letzte Off-the-Record-Artikel (siehe Lesenswert! #1) aufgrund seiner Kollegenschelte für einigen Unmut sorgte, ergänzt Matthias Chapman, Nachrichtenchef beim Tagesanzeiger, darunter in einem Kommentar:

Herablassende und abgehobene Kommentare zum News-Journalismus (…) sind deshalb fehl am Platz. Wer es besser haben will, soll sein Einzelbüro verlassen und sich freiwillig am Newsdesk melden beim nächsten Mal, wenns so richtig hektisch wird.

Da das viele Kritiker immer noch nicht so ganz überzeugt…

…erklärt Christian Lüscher , um was es dem Tagesanzeiger bei der Kritik an der Kritik von Kollegen nochmal genau geht:

Es geht um die Kollegen in der eigenen Zunft, die Reflexe bedienen, statt zu hinterfragen. Die Analysen abliefern, die einfach unglaublich oberflächlich sind. Die Dinge kritisieren, die nicht sind. Die Folge: Die Leser greifen das auf und decken uns damit ein. Verweisen noch auf diese “Experten” und hauen uns das dauernd um die Ohren. Resultat: Wir wünschen uns eine Medienkritik von Kollegen, die reflektiert ist. Wir wünschen uns Kritik, die mehr tut als sich empört über Dinge, die nun wirklich nicht sind.

Ich bezweifle, dass die Debatte damit beendet ist. Es ist immer unklug, Kritik dadurch zu begnegnen, dass man den Kritikern das Recht auf Kritik abspricht.


Samstag, 4. April 2015

Yvonne Widler, Redakteurin bei NZZ.at und Chefredakteurin von paroli, über das „Ersatzfach“ Ethik an einem Wiener Gymnasium:

Direktor Braunstein und sein Team hätten von den Schülern bisher nur Unterstützung erfahren. Da sei kein einziger gekommen und habe sich aufgeregt, warum hier zwei Stunden mehr Unterricht sind als in anderen Schulen. „Die Kinder saugen Ethik auf wie ein Schwamm.“ Auch von Elternseite seien die Reaktionen durchwegs positiv. Bei den Lehrern allerdings war das nicht so einfach. (…)


Sonntag, 5. April 2015

Jürgen Geuter, Autor und Wissenschaftler an der Uni Oldenburg, erinnert uns an unsere ethische Verantwortung im Internet:

Wir haben viele dieser Entschuldigungen, mit denen wir versuchen, Inhalte, die wir verbreiten, ihres Kontextes zu entkleiden. Meine liebste ist sicherlich der Eintrag in der Twitterselbstbeschreibung: „RT≠Zustimmung“. (…) Aber so funktioniert Kommunikation nicht.


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