Drei Punkte: Wie Anna-Mareike Krause mit dem Shitstorm hätte umgehen sollen

Eine Empörungswelle traf Anna-Mareike Krause als FAZ-Blogger Don Alphonso sie für eine Drohung verantwortlich machte, die gegen Ronja von Rönne gerichtet war. Die Reaktion von Frau Krause: Schweigen. Bis heute gibt es von ihr keine öffentliche Reaktion dazu. Wie sie meiner Meinung nach mit dem Shitstorm hätte umgehen sollen…

Sehr geehrte Frau Krause,

ich möchte Ihnen in drei Punkten erläutern, wie Sie meiner Meinung nach mit dem Shitstorm von letzter Woche hätten umgehen sollen:

1. Mitverantwortung eingestehen

Jeder Einzelne von uns kann heutzutage durch eine kleine Äußerung eine riesige Empörungswelle auslösen. Doch obwohl wir für die Beleidigungen und Drohungen am Ende dieser Welle keine Verantwortung tragen, sind wir für die Stimmung in einem gewissen Maße mitverantwortlich. Vor allem dann, wenn unsere auslösende Äußerung einen unsachlichen und diffamierenden Charakter hatte.

Eine solche Welle haben Sie selbst am 28.05.2015 ausgelöst: An diesem Tag tweeteten zuerst zwei Personen über Rönne und ihre Nomierung, jedoch ohne große Reichweite. Doch als eine Stunde später auch Daniel Doublevé dieses Thema aufgegriffen hatte, sind Sie wahrscheinlich darauf aufmerksam geworden, denn ihm folgen Sie auf Twitter. Während die Tweets von vier weiteren Personen ohne Wirkung verhallten, äußerten Sie sich das erste Mal abfällig über die Autorin und die Bachmann-Preis-Jury. Einige Minuten später setzten Sie nach. Diesmal mit effektvollem Bild und einer klaren Aussage:

Dies war der Tweet, der die Empörungswelle gegen Frau Rönne auslöste. In den Minuten danach retweeten dies zahlreiche Ihrer Follower, vor allem Personen, die selbst eine hohe Anzahl an Followern haben. Charlotte Obermeier und Fabian Weißbarth setzen sogar noch einen drauf: Kurz nachdem beide Ihren Tweet retweeteten, formulierten sie eigene Tweets. Im gleichen Duktus und ebenfalls mit effektvollen Bildern. Sie dienten Ihnen dadurch als Multiplikatoren und erhöhten die Reichweite der Empörungswelle.

Bei der Analyse der zeitlichen Abfolge wird klar: Sie sind hauptverantwortlich für den Shitstorm, der gegen Frau Rönne gerichtet war. Meiner Meinung nach sind Sie deshalb mitverantwortlich für die Stimmung gegen die Autorin.

Stehen Sie zu dieser Mitverantwortung!

2. Ausgestreckte Hand einschlagen

Obwohl Ronja von Rönne daraufhin zahlreiche Drohungen und Hassbotschaften erhielt und schockierend Ihren eigenen Blog deaktivierte, äußerte sie sich an mehreren Stellen deeskalierend als sich die Welle drehte:

Schlagen Sie die ausgestreckte Hand ein und stellen Sie sich gemeinsam mit Frau Rönne gegen Hetze, Drohungen und Hass, egal aus welcher Richtung und gegen welche Person auch immer. Diese klare öffentliche Aussage fehlt von Ihnen noch. Und nein, man kann nicht gelten lassen, dass Sie einen Tweet von einer anderen Person retweeteten, die Morddrohungen allgemein verurteilt. Auch deshalb, weil Sie wenige Minuten später einen anderen Tweet faven, der die konkrete Morddrohung in dem Fall verharmlost.

Bei der Hetze gegen Frau Rönne ging es übrigens nicht nur um die Drohung, die Don Alphonso thematisierte. Die Autorin erhielt auch noch zahlreiche andere Hassbotschaften (die ich hier nicht zitieren möchte). Ich hoffe nicht, aber ich vermute, dass Sie ebenfalls unschöne Nachrichten erhielten.

Eine gemeinsame Aussage gegen Hass hätte deshalb große Symbolkraft.

3. In der Sache standhaft bleiben

Gleichzeitig können Sie in der Sache selbstverständlich standhaft bleiben. Als Antwort auf die Bachmann-Nominierung von Frau Rönne wäre es meiner Meinung nach sowieso besser gewesen, wenn Sie ihre bisherigen Texte einmal gründlich auseinander genommen hätten – sprachlich und argumentativ. Zumindest hätten Sie die Argumente anderer Autorinnen zitieren können, die sich mit einzelnen Texten bereits ausführlich befasst hatten.

Womöglich wollten Sie mit Ihren Tweets ja auch nur dem Rat von Antje Schrupp folgen und „raus aus der Defensive“ gehen, wie sie ihn im Dossier „Emanzipation oder Backlash“ gibt. Das ist ja durchaus legitim. Ich sehe nur nicht, wie Ihre bisherigen Äußerungen dazu führen können, dass mehr „über politische Inhalte, Theorien und Vorschläge von Feministinnen diskutiert und gestritten wird“.

Durch einen sachlichen Beitrag könnten Sie die Debatte nicht nur aufwerten, sondern würden damit auch den Pöblern den Wind aus den Segeln nehmen. Sobald die Diskussion auf eine sachliche Ebene zurückgekehrt ist, würden sich alle weiterpöbelnden Personen automatisch disqualifizieren und schnell Unterstützer verlieren.

Für Ihren Beitrag ist es noch nicht zu spät! In den letzten Tagen haben auch andere sich nochmal ausführlich mit den Texten von Frau Rönne auseinandergesetzt. Und wer weiß, vielleicht gelingt es Ihnen sogar, aus der Brauchen-Wir-Noch-Feminismus-Debatte eine feministische Debatte zu machen. Wünschenswert wäre es.

Mit freundlichen Grüßen,

Annette Baumkreuz


Obwohl mein Blogpost an Frau Krause gerichtet ist, möchte ich hier klarstellen, dass ich sie zu keinem Zeitpunkt direkt angesprochen oder angeschrieben habe. Weder auf Twitter noch per Email oder über einen anderen Weg. Ob und wie sie sich dazu äußern möchte, entscheidet sie selbst. Für mich persönlich wäre es völlig in Ordnung, hierzu keinerlei Reaktion zu erhalten.

Es muss möglich sein, Empörungswellen zu analysieren und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen, ohne dass infolgedessen Einzelpersonen belästigt werden. Ich bitte auch Sie, liebe_r Leser_in, dies zu beherzigen. Verzichten Sie bitte auf Hetze und Belästigungen. Bleiben Sie sachlich und fair. Sie tragen damit selbst zu einer Verbesserung der Diskussionskultur bei. Vielen Dank.

Zum Thema Krause./.Rönne plane ich keine weiteren Beiträge. Wenn Sie, liebe_r Leser_in, noch etwas hinzufügen möchten, nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion unter diesem Artikel. Ich werde sie für eine Woche geöffnet lassen.



UPDATE am 21.06.2015, 16:50 Uhr: Die Tweets von Frau Krause, auf die ich im obigen Text verlinke, waren bis vor kurzem noch für Jeden öffentlich sichtbar, sind nun aber geschützt. Nur noch Follower, die von Frau Krause persönlich bestätigt wurden, können die Tweets sehen. Da ich bei einer Recherche grundsätzlich von allen Tweets und Webseiten Screenshots mache, wäre es mir möglich, die Links durch Bilder zu ersetzen, so dass die Tweets weiterhin für Jeden lesbar sind. Ich entscheide mich aber dagegen, weil ich Frau Krauses Entscheidung respektiere und ihr die Wahl lassen möchte, wer ihre persönlichen Äußerungen sehen darf und wer nicht.

Ein Kommentar zu “Drei Punkte: Wie Anna-Mareike Krause mit dem Shitstorm hätte umgehen sollen

  1. Über das Zurückschlagen von Empörungswellen und eine seltsame Argumentation im Fall Rönne – Annette Baumkreuz

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.